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Outdoor Sport bei hoher Feinstaubbelastung schadet Herz und Kreislauf Outdoor Sport bei hoher Feinstaubbelastung schadet Herz und Kreislauf
Bewegung im Freien ist normalerweise gesund, ab einem gewissen Grad an Luftverschmutzung bringt der Sport an der "frischen" Luft jedoch mehr Schaden als... Outdoor Sport bei hoher Feinstaubbelastung schadet Herz und Kreislauf

Bewegung im Freien ist normalerweise gesund, ab einem gewissen Grad an Luftverschmutzung bringt der Sport an der „frischen“ Luft jedoch mehr Schaden als Nutzen. Denn bei hohen Feinstaubwerten wird das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigt. Das belegt eine aktuelle Studie aus Südkorea mit knapp 1,5 Millionen jungen Erwachsenen, wie die Universitätsmedizin Mainz berichtet.

Feinstaub gelangt über die Lungenbläschen ins Blut und erreicht so alle anderen Organe. Im Herz und in den Gefäßen kommt es so zu chronischen Entzündungen. Diese können Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall auslösen. Die kleinsten Partikel des Feinstaubs sind sogar in der Lage die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Entzündungen im Gehirn können die Folge sein.

Das Besondere an der Studie ist, dass sie erstmals eine Schwelle für die Feinstaubbelastung angibt, ab der es für Herz und Kreislauf nachteilig ist, draußen Sport zu treiben. Bei moderater Feinstaubbelastung förderte die körperliche Bewegung die Gesundheit der Studienteilnehmer. Bei höheren Luftverschmutzungswerten bewirkte der Sport aber das Gegenteil und schadete dem Herz-Kreislauf-System. „Die Feinstaub-Grenzwerte der EU liegen ganz nah an dem Bereich, in dem laut der Studie körperliche Aktivität im Freien bereits schädlich für das Herz-Kreislauf-System ist. Regional werden die Grenzwerte in Deutschland sogar überschritten, etwa in Hochindustriegebieten,“ erklärt Professor Thomas Münzel, Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) an der Universitätsmedizin Mainz.

Apps informieren über die aktuellen Feinstaubwerte

Die Entscheidung, ob man im Park joggen sollte oder nicht, können einem Apps erleichtern, welche die aktuellen Werte von Messstationen übermitteln. Auch Satellitendaten können verwendet werden, um Umweltbelastungen vorherzusagen. Spezielle Apps nutzen diese Daten und berechnen, und können sogar die eingeatmete Dosis der Luftverschmutzung individuell abzuschätzen – abhängig von der geplanten Bewegung und den lokalen Messwerten.

Hintergrundinformation


Emissionen aus Industrie und Verkehr, enthalten feste und gasförmige Bestandteile. Die festen Bestandteile, der sogenannte Feinstaub, werden nach ihrer Partikelgröße eingeteilt in grobe (10 µg), feine (2,5 µg) und ultrafeine (0,1 µg) Partikel. PM ist die Abkürzung für das englische Wort für Feinstaub: particulate matter. Als moderat bis niedrig stuften die Studienautoren Messwerte von unter 26,4 µg/m3 für Partikel mit einer Größe von 2,5 µm (PM 2,5) ein. Der Feinstaub-Grenzwert der EU für PM 2,5 liegt bei 25 µg/m3 im Jahresdurchschnitt. Die WHO empfiehlt 10 µg/m3, in den USA gelten 12 µg/m3 als Grenzwert für Feinstaubpartikel der Größe PM 2,5. Im Schnitt liegt der PM 2,5-Wert in Deutschland zwischen 10 und 20 µg/m3.

Der Mainzer Kardiologe weist jedoch darauf hin, dass die koreanische Studie einige Einschränkungen hat. So konnte nicht immer genau beurteilt werden, ob die Teilnehmer draußen oder drinnen trainiert hatten. Die gesundheitlichen Auswirkungen, etwa ob Schlaganfälle oder verengte Herzkranzgefäße auftraten, ermittelten die koreanischen Forscher über einen Zeitraum von fünf Jahren. Laut Münzel sind daher weitere genauere Studien nötig.


Editorial: Thomas Münzel, Omar Hahad, Andreas Daiber, Running in polluted air is a two-edged sword — physical exercise in low air pollution areas is cardioprotective but detrimental for the heart in high air pollution areas, European Heart Journal, 2021; ehab227, doi: 10.1093/eurheartj/ehab139.

Originalarbeit: Seong Rae Kim, Seulggie Choi, Kyuwoong Kim, Jooyoung Chang, Sung Min Kim, Yoosun Cho, Yun Hwan Oh, Gyeongsil Lee, Joung Sik Son, Kyae Hyung Kim, Sang Min Park, Association of the combined effects of air pollution and changes in physical activity with cardiovascular disease in young adults, European Heart Journal, 2021; ehab139, doi: 10.1093/eurheartj/ehab139

Headerbild: Bild von kinkate auf Pixabay 

Dr. Polwin-Plass Lydia Inhaberin und Chefredakteurin

Als promovierte Journalistin/Publizistin arbeite ich als freie Journalistin und Pressefotografin in Frankfurt am Main und Umgebung. Meine Themenschwerpunkte sind Vertrieb, Marketing, Bildung, Arbeitsmarkt, Kultur und Alternativmedizin. Zu medizinischen Themen konnte ich mir im Laufe der Jahre durch Mitwirkung an medizinischen Projekten und Verfassen zahlreicher Gesundheitsbroschüren viel Wissen und Erfahrung aneignen. Im Frühjahr 2015 gründete sie mein erstes Online Magazin "Metalogy.de" und 2019 folgte "Gesund heute und morgen".