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Rezension Teil 3: Matt Richtel: Starke Abwehr – Unser Immunsystem – ein medizinisches Wunder und seine Grenzen Rezension Teil 3: Matt Richtel: Starke Abwehr – Unser Immunsystem – ein medizinisches Wunder und seine Grenzen
Bestsellerautor Matt Richtel beschreibt in seinem Buch "STARKE ABWEHR - Unser Immunsystem – ein medizinisches Wunder und seine Grenzen" humorvoll und spannend die... Rezension Teil 3: Matt Richtel: Starke Abwehr – Unser Immunsystem – ein medizinisches Wunder und seine Grenzen

Bestsellerautor Matt Richtel beschreibt in seinem Buch „STARKE ABWEHR – Unser Immunsystem – ein medizinisches Wunder und seine Grenzen“ humorvoll und spannend  die beeindruckende Kraft unseres Immunsystems und wo es an seine Grenzen stößt. Gespickt mit beeindruckendem medizinischem Wissen und doch für den Laien verständlich, liest sich das Buch wie ein hochspannender Roman. Hier der dritte und letzte Teil unserer dreiteiligen Buchrezension.

Im Kapitel WUNDHEILUNG erklärt der Autor anschaulich, welche Überlebensmechanismen in unserem Körper bei einem „Eindringling“ ausgelöst werden und dass die hochwichtige Zelle, die die Wundheilung stimuliert „Fibroblast“ heißt und für das Wachstum des neuen Gewebes zuständig ist. Allerdings muss der Körper den Aufbau als „körpereigen“ akzeptieren. Alles was als „körperfremd“ oder „pathogen“ identifiziert wird, muss zerstört werden. Bei dieser Zellteilung nach einer Verletzung kann aber auch etwas schief gehen wenn ein Abschnitt der DNA falsch kopiert wird. Es sei möglich, dass das genetische Material der Zelle dem körpereigenen so ähnlich ist, dass das Immunsystem ausgetrickst wird.

Richtel schildert anschaulich wie verhängnisvoll das Rauchen ist, da winzige Wunden in der Lunge entstehen und DNA und die Reparatur derselben stören, da jede noch so kleine Wunde in Zellteilung mündet und eine Reaktion des Immunsystems auslöst, die zwar zur Heilung aber auch zu Krebs führen kann, wenn es genetische Veränderungen gibt.

Mutation und Krebs sind ein Nebenprodukt der wichtigen Zellteilung und in dieser Dynamik liegt auch der Schlüssel, den Krebs zu besiegen.

Im Kapitel PROGRAMMIERTER TOD berichtet Matt Richtel von der Entdeckung Dr. Allisons, dass man das Immunsystem modulieren kann, indem man auf CTLA-4 einwirkt. Es ist ein Molekül auf den T-Zellen das dazu beiträgt, die Reaktion eines Immunsystems einzudämmen oder zu verhindern..

Entdeckt wurde das Phänomen 1992 in Japan von Dr. Tasuko Honjo, dessen Arbeit so tief greifend war, dass er 2018  zusammen mit Dr. Allison den Nobelpreis erhielt

Dr. Honjo und sein Team fanden in Versuchen mit Mäusen heraus, dass ein großer Teil der Tiere nach der Ausschaltung des PD-1-Gens autoimmune Störungen entwickelten. Dr. Nils Lonberg war sicher, den Prozess nutzen zu können, um Krebs heilen zu können.

Tatsächlich gelang es ihm, Mäuse mit menschlichen Antikörpern zu züchten und diese dann, um das Immunsystem zu unterstützen, auf Menschen zu übertragen, ohne dass das Molekül als fremd abgestoßen wird.  Und zwar ein ultraspezieller Antikörper, der sich an CTLA-4 andocken sollte.

Die Arbeit Lonbergs baute auf den Erkenntnissen von Allison und Krummel auf und trug zur Herstellung einer neuen Kategorie von Medikamenten namens „monoklonale Antikörper-Therapeutika“ (exakte Kopien von Antikörpern) das wichtigste Medikament der letzten zwanzig Jahre bei. Der Umsatz mit diesen Medikamenten wird bis zum Jahre 2024 auf circa 246 Milliarden Dollar ansteigen.

Jahrhundertelang kämpfte man gegen die Krebszellen, aber Dr. Lonberg heftete das Medikament an Zellen des Immunsystems, das bei Krebspatienten den Betrieb einstellt.

Es ist ein neues Krebstherapeutikum, bei dem das eigene Immunsystem zur Bekämpfung des Tumors entfesselt wird. Man kann sagen, das Medikament kam gerade zur rechten Zeit für Jason auf den Markt. Ein vollständiger Behandlungszyklus kostete 120 000 Dollar.

Der Autor schildert nun anschaulich die kleinen und großen Erfolge zur Lebensverlängerung von Krebspatienten, aber auch von den Folgen der Nebenwirkungen.

Nach vielen furchtbaren Eingriffen, wie die Infusion von Stammzellen, hochdosierte Chemotherapie (BEAM) zum Eliminieren der letzten Krebszellen und Ausschalten der Immunfunktion, hatte Jason, dessen Körper 3 Jahre lang durch die Hölle gegangen war, nach einem Rückfall seinen Humor und seine Kraft verloren.

Trotzdem fasste er Vertrauen zum seelenverwandten Dr. Brunvand, der entschlossen war, Jason zu retten.

Im Jahr 2012 gab es in den Forschungen zur Immuntherapie kleinere aber auch größere Fortschritte. Manche davon waren fast unglaublich. Nun schildert der Autor die Genesungsgeschichte eines Mädchens mit Leukämie, das knapp vor seinem Tod war. Alle Behandlungsversuche versagten, bis der verantwortliche Arzt dem Mädchen ein Medikament gegen rheumatische Arthritis verabreichte. Innerhalb von wenigen Stunden stabilisierte sich der Zustand der Kleinen.

Jason war nach der Einnahme von Brentuximab ein Jahr lang krankheitsfrei, aber dann kam der Krebs wieder. Er hatte schon die dritte Chemo hinter sich, aber all das zeigte keine Wirkung mehr. Um einige Monate länger zu leben, wollte Jason die furchtbaren Strapazen einer neuerlichen Behandlung nicht mehr auf sich nehmen.

Ich möchte mich in den letzten Monaten meines Lebens nicht wie Scheiße fühlen“ war seine Erklärung. Nachdem der Autor die wirklich schlimme, hoffnungslose Lage von Jasons Zustand begriff, trommelte er alle Freunde zusammen, um gemeinsam von ihm Abschied zu nehmen. Um ihn versammelt, erwarteten sie Jasons Tod, doch Dr. Brunvand wollte noch einen Versuch mit dem für das Hodgkin-Lymphom noch nicht zugelassenen Mittel Nivolumab wagen.

Das nun folgende Ereignis, über das Sie am besten selbst lesen, veranlasste den Autor, dieses Buch zu schreiben.

Ich kann nur wiederholt darauf hinweisen, dass jedes Kapitel des Buches, ob es von der neuen Gefahr der Neurodegeneration wie Alzheimer, Morbus Parkinson oder das Lou-Gehring Syndrom oder von Jasons, Merrediths, Bobs oder Lindas Familie berichtet, lesenswert ist.

Im Kapitel DER VIELFACHE SINN DES LEBENS  schreibt Richtel, dass er nun eine ungefähre Vorstellung von einigen wichtigen Aspekten des Lebens, das Immunsystem betreffend, das so entscheidend für unser Überleben ist, gewonnen habe.

Unser Immunsystem ermahnt uns, den am wenigsten zerstörerischen Weg zu einem lebenswerten Gleichgewicht zu wählen.“

Eine der größten Fehleinschätzungen ist der Gedanke, ein übermächtiges Immunsystem haben zu müssen, denn unsere starke Abwehr soll sich nicht in einen Polizeistaat verwandeln.

Wir brauchen eine Vielfalt von Ansichten und Konzepten. Das beste Beispiel dafür ist die Entwicklung der lebensrettenden Medikamente; sie beruht auf dem Werk von Forschern aus der ganzen Welt und hat unsere Lebenserwartung verdoppelt.

Fremdenfeindlichkeit, blinder Nationalismus und Rassismus sind eine Autoimmunstörung. Eine Kultur, die in ihrer Abwehr die Ohren verschließt, agiert so aggressiv, dass sie sich ernstlich selbst gefährdet. Die Biologie aber, über die Jahrhunderte geschliffen wie ein vom Wasser polierter Stein, lehrt uns, dass wir uns mit den verschiedenen Eigenheiten der Menschen arrangieren müssen, wenn wir ein Miteinander in Harmonie und unser zukünftiges Überleben sichern wollen.“

Hier die beiden anderen Teile (der 1. und 2. Teil) unserer Rezension

Rezension Teil 1 zum Buch „Starke Abwehr“ von Matt Richtel
https://www.gesundheuteundmorgen.de/rezension-teil-1-zum-buch-starke-abwehr-von-matt-richtel/

Rezension: Starke Abwehr – Unser Immunsystem – ein medizinisches Wunder und seine Grenzen von Matt Richtel – Teil 2
https://www.gesundheuteundmorgen.de/rezension-starke-abwehr-unser-immunsystem-ein-medizinisches-wunder-und-seine-grenzen-von-matt-richtel-teil-2/

Rezension: Linda Padma

Gastautoren Gastautor