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Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag pro Woche würde Millionen Liter Kraftstoff einsparen – und unserer Gesundheit gut tun Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag pro Woche würde Millionen Liter Kraftstoff einsparen – und unserer Gesundheit gut tun
Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag wöchentlich könnte alleine in Deutschland täglich Millionen Liter Kraftstoff einsparen und gleichzeitig Produktivität und Zufriedenheit steigern. Eine aktuelle Konstanzer Homeoffice-Studie zeigt,... Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag pro Woche würde Millionen Liter Kraftstoff einsparen – und unserer Gesundheit gut tun

Ein zusätzlicher Homeoffice-Tag wöchentlich könnte alleine in Deutschland täglich Millionen Liter Kraftstoff einsparen und gleichzeitig Produktivität und Zufriedenheit steigern. Eine aktuelle Konstanzer Homeoffice-Studie zeigt, weshalb der Wandel zur hybriden Arbeit nicht nur gewünscht, sondern auch wirtschaftlich, gesundheitlich und gesellschaftlich sinnvoll ist.

Die 19. Welle der Konstanzer Homeoffice-Studie zeigt deutlich: Würden alle Autopendlerinnen und -pendler in Deutschland nur einen zusätzlichen Tag pro Woche im Homeoffice arbeiten, ließen sich täglich rund 32 Millionen Liter Kraftstoff einsparen – das entspricht etwa 19 Prozent des gesamten Tagesverbrauchs.

Bemerkenswert ist, dass die Bereitschaft dafür bereits vorhanden ist. Beschäftigte wünschen sich im Durchschnitt genau diesen einen zusätzlichen Homeoffice-Tag. Gleichzeitig zeigt sich, dass Unternehmen, die hybride Arbeitsmodelle gezielt und strukturiert umsetzen, sowohl Engagement als auch Produktivität steigern können. Zu diesen Ergebnissen kommen Florian Kunze und Kilian Hampel von der Universität Konstanz.

Derzeit fahren 64 Prozent der Beschäftigten, deren Tätigkeit grundsätzlich im Homeoffice ausgeübt werden könnte, mit dem Auto zur Arbeit. Gleichzeitig besteht der Wunsch nach einem zusätzlichen Heimarbeitstag pro Woche. Genau dieser eine Tag hätte große Auswirkungen, denn würden Millionen Menschen an diesem Tag nicht pendeln, entfielen entsprechend viele Fahrten und damit auch ein erheblicher Anteil am täglichen Kraftstoffverbrauch.

Laut Studie liegt das Einsparpotenzial bei rund 32 Millionen Litern täglich, was etwa 19 Prozent des Gesamtverbrauchs entspricht. Studienleiter Florian Kunze betont, dass hier individuelle Wünsche, gesellschaftlicher Nutzen und wirtschaftliche Interessen zusammenkommen. Zudem zeigen aktuelle Untersuchungen, dass etwa drei Tage mobiles Arbeiten in vielen Berufen optimal für die Produktivität wären – es besteht also weiteres Potenzial.

Homeoffice als Faktor in der Energiekrise
62 Prozent der Befragten halten es angesichts steigender Energiepreise für sinnvoll, häufiger im Homeoffice zu arbeiten. Dennoch haben bisher nur 20 Prozent ihr Verhalten entsprechend angepasst. Die Ursache liegt weniger in mangelnder Motivation als vielmehr in strukturellen Hürden. Gleichzeitig gibt rund ein Drittel der Beschäftigten an, häufig ohne inhaltlichen Anlass ins Büro zu kommen. Ein Fünftel ist sogar der Meinung, dass viele Mitarbeitende ihre Zeit dort eher „absitzen“. Kilian Hampel erklärt, dass ein sinnvoll eingeführter dritter Homeoffice-Tag keine Einschränkung der Zusammenarbeit bedeuten würde, sondern vielmehr Effizienzgewinne für Beschäftigte, Unternehmen und das Energiesystem bringen könnte.

Führungskräfte werden offener für mobiles Arbeiten
Die Haltung von Führungskräften gegenüber Homeoffice hat sich jedoch in den letzten Jahren deutlich verändert. Der Anteil derjenigen, die eine stärkere Präsenzpflicht befürworten, ist von 33 Prozent im Jahr 2024 auf 22 Prozent gesunken. Auch Bedenken hinsichtlich der Kommunikation haben sich nahezu halbiert. Gleichzeitig bleibt die Präsenzpflicht insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Nur 21 Prozent berichten von strengeren Anwesenheitsregeln.

Die Daten zeigen zudem, dass verpflichtende Präsenz zu höherer Erschöpfung führt, ohne die Produktivität messbar zu steigern. Hampel sieht darin einen klaren Wandel der Führungskultur in Deutschland und betont, dass Unternehmen, die weiterhin auf Zwang setzen, langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit riskieren.

Klare Regeln für hybrides Arbeiten als Erfolgsfaktor
Erstmals wurde in dieser Studienwelle auch untersucht, inwieweit Unternehmen hybride Arbeit durch klare Strukturen und Leitlinien unterstützen. Das Ergebnis: In vielen Organisationen fehlen solche Regelungen noch – bei etwa einem Drittel bis zur Hälfte der Unternehmen. Dabei zeigen sich deutliche Vorteile dort, wo klare Vorgaben existieren. Beschäftigte erleben mehr Unterstützung im Team, sind engagierter und arbeiten produktiver. Florian Kunze fasst zusammen, dass hybrides Arbeiten nur dann erfolgreich ist, wenn es bewusst gestaltet wird. Unternehmen, die jetzt in klare Regeln investieren, senken nicht nur die Energiekosten, sondern stärken auch den Zusammenhalt und die Leistungsfähigkeit ihrer Teams.


Faktenübersicht
:

  • Originalpublikation: Kunze, F. und Hampel, K. (2026). Homeoffice in der Energiekrise: Pendeln, Effizienz und hybrides Arbeiten in Deutschland 2026. Konstanzer Homeoffice-Studie, Ergebnisreport April 2026, Universität Konstanz.
  • Autoren:
    1. Florian Kunze ist Professor für Organizational Behavior und Leiter des Future of Work Lab Konstanz an der Universität Konstanz sowie Mitglied des Exzellenzclusters ‚The Politics of Inequality‘. Er forscht zu Digitalisierung und neuen Formen der Arbeit, zum demographischen Wandel in öffentlichen und privaten Organisationen und effektivem Führungsverhalten.
    2. Kilian Hampel ist Senior Research Fellow am Future of Work Lab Konstanz. Der promovierte Sozialforscher ist Experte für die Transformation der Arbeitswelt durch demografischen Wandel und Digitalisierung. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen insbesondere altersdiverse Teams, digitale Kompetenzen und New Work. Neben der Konstanzer Homeoffice-Studie ist Kilian Hampel Mitautor der Trendstudie „Jugend in Deutschland“.
  • Die Online-Befragung wurde über Bilendi durchgeführt. An der jüngsten Befragungswelle (27.03.-01.04.2026) nahmen 1.017 Personen teil, repräsentativ nach Alter und Geschlecht für Beschäftigte mit Bürotätigkeiten.
  • Die Umfrage entstand ursprünglich im Rahmen des Projekts ‚Digitalisierung, Automatisierung und die Zukunft der Arbeit‘ am Exzellenzcluster ‚The Politics of Inequality‘ der Universität Konstanz.
  • Der Exzellenzcluster „The Politics of Inequality” an der Universität Konstanz erforscht aus interdisziplinärer Perspektive die politischen Ursachen und Folgen von Ungleichheit. Die Forschung widmet sich einigen der drängendsten Themen unserer Zeit: Zugang zu und Verteilung von (ökonomischen) Ressourcen, der weltweite Aufstieg von Populist*innen, Klimawandel und ungerecht verteilte Bildungschancen.

Bild: Annie Spratt/unsplash

Dr. Polwin-Plass Lydia Inhaberin und Chefredakteurin

Als promovierte Journalistin / Publizistin und Pressefotografin befasse ich mich mit verschiedenen Themenschwerpunkten: Vertrieb, Marketing, Bildung, Arbeitsmarkt, Kultur und Alternativmedizin. Zu medizinischen Themen konnte ich mir im Laufe der Jahre durch Recherche, Lektüre und das Verfassen zahlreicher Gesundheitsbroschüren viel Wissen und Erfahrung aneignen. Im Frühjahr 2015 gründete ich mein erstes Online Magazin "Metalogy.de" und 2019 folgte "Gesund heute und morgen".