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Laut Studie senkt Adipositas-Medikament das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwere Infektionen Laut Studie senkt Adipositas-Medikament das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwere Infektionen
Eine große Datenbankstudie untersuchte mögliche Schutzwirkung  des Medikaments Tirzepatid bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas. Das Medikament Tirzepatid senkte das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall... Laut Studie senkt Adipositas-Medikament das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwere Infektionen

Eine große Datenbankstudie untersuchte mögliche Schutzwirkung  des Medikaments Tirzepatid bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas. Das Medikament Tirzepatid senkte das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod deutlich. Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wegen einer Infektion war um rund ein Drittel geringer. Sogar das Risiko, an den Folgen einer Infektion zu sterben, war laut Studie deutlich reduziert. Das konnten Forschende der Technischen Universität München (TUM) und der Harvard Medical School anhand von Versichertendaten nachweisen.

Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas könnten von einer Behandlung mit Tirzepatid profitieren. Im Vergleich zu einem klassischen Diabetes-Medikament war das Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse und Krankenhauseinweisungen wegen Infektionen jeweils deutlich geringer. Das zeigt eine Studie von Forschenden der Technischen Universität München (TUM) und der Harvard Medical School, die dafür Daten von Krankenversicherten ausgewertet haben.

Tirzepatid wird unter dem Markennamen Mounjaro vertrieben und gehört zu einer neueren Gruppe von Medikamenten, die unter anderem zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas eingesetzt werden. Für die im Fachmagazin The BMJ veröffentlichte Studie werteten die Forschenden umfangreiche Daten von US-amerikanischen Krankenversicherungen aus. Sie verglichen Patientinnen und Patienten, die Tirzepatid erhielten, mit einer Gruppe, die mit Sitagliptin behandelt wurde. Sitagliptin ist ein etabliertes Diabetes-Medikament, für das keine vergleichbare kardiovaskuläre Schutzwirkung nachgewiesen ist.

Weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle

Nach einem Jahr hatten 4,4 Prozent der Patientinnen und Patienten in der Sitagliptin-Gruppe entweder einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten oder waren verstorben. In der Tirzepatid-Gruppe lag dieser Anteil bei 2,9 Prozent.

Damit war das relative Risiko für diese Ereignisse in der Tirzepatid-Gruppe um rund ein Drittel niedriger.

Auch schwere Infektionen traten seltener auf

Ein weiterer auffälliger Unterschied zeigte sich bei schweren Infektionen. Patientinnen und Patienten, die Tirzepatid erhielten, mussten deutlich seltener wegen einer Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden. Das Risiko für eine solche Krankenhauseinweisung war um 36 Prozent reduziert.

Noch größer war die positive Wirkung gegen das Risiko, an den Folgen einer Infektion zu sterben. Bei der Tirzepatid-Gruppe senkte sich das Risiko um 60 Prozent.

Die Daten zu Infektionen haben uns in dieser Deutlichkeit auch überrascht“, sagt Dr. Nils Krüger, Erstautor der Studie und Assistenzarzt in der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen des TUM Klinikums Deutsches Herzzentrum.

Frühere Studien hatten bereits Hinweise darauf geliefert, dass Menschen, die mit GLP-1-Agonisten behandelt werden, seltener wegen Infektionen ins Krankenhaus eingeliefert werden und seltener daran sterben. Warum das so ist, ist bislang allerdings nicht vollständig geklärt.

Eine mögliche Erklärung könnte laut Krüger darin liegen, dass Adipositas Entzündungsprozesse im Körper verstärkt. Diese könnten wiederum die Immunabwehr beeinträchtigen. „Was dabei genau im Körper geschieht und ob der positive Effekt auch ohne eine Gewichtsabnahme auftreten würde, muss jetzt untersucht werden“, sagt Krüger.

Routinedaten können klinische Studien ergänzen

Aus Sicht der Forschenden können Studien auf Basis von Gesundheits- und Routinedaten eine wichtige Ergänzung zu klassischen klinischen Studien darstellen. Das gilt insbesondere für Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Agonisten beziehungsweise verwandte Wirkstoffe wie Tirzepatid und Semaglutid, die unter anderem unter den Markennamen Wegovy und Ozempic bekannt sind.

Da diese Medikamente noch vergleichsweise neu sind, gibt es bislang nur begrenzt große klinische Studien, die ihre unterschiedlichen Wirkungen im Versorgungsalltag untersuchen. Gleichzeitig benötigen medizinische Fachgesellschaften und Zulassungsbehörden möglichst umfangreiche Daten, um Empfehlungen und Entscheidungen treffen zu können.

„Dazu kommt, dass bei klinischen Studien immer häufiger zwei verwandte Wirkstoffe miteinander verglichen werden“, sagt Krüger. Für Zulassungsbehörden sei aber häufig auch der Vergleich mit einer etablierten Standardbehandlung wichtig.

Datenbankstudien könnten hier eine Lücke schließen. Sie ermöglichen es, die Wirkung moderner Medikamente wie Tirzepatid mit einer etablierten Behandlung zu vergleichen, ohne Patientinnen und Patienten in einer klinischen Studie eine möglicherweise vorteilhafte Therapie vorzuenthalten.

Mit dem Vergleich zu einer Standard-Diabetes-Behandlung möchten die Forschenden zusätzliche Informationen für die medizinische Versorgung liefern. Die Ergebnisse könnten damit auch eine weitere Entscheidungsgrundlage für Betroffene und ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte darstellen.

Publikation:

N. Krüger, S. Schneeweiss, S. Wang. „Tirzepatide and the risk of atherosclerotic cardiovascular events: population based cohort study“. The BMJ (2026). DOI: https://doi.org/10.1136/bmj-2026-100011

Quelle TUM, Headerfoto: Bild von nts01 auf Pixabay

Dr. Polwin-Plass Lydia Inhaberin und Chefredakteurin

Als promovierte Journalistin / Publizistin und Pressefotografin befasse ich mich mit verschiedenen Themenschwerpunkten: Vertrieb, Marketing, Bildung, Arbeitsmarkt, Kultur und Alternativmedizin. Zu medizinischen Themen konnte ich mir im Laufe der Jahre durch Recherche, Lektüre und das Verfassen zahlreicher Gesundheitsbroschüren viel Wissen und Erfahrung aneignen. Im Frühjahr 2015 gründete ich mein erstes Online Magazin "Metalogy.de" und 2019 folgte "Gesund heute und morgen".