Vegetarische Ernährung scheint Krebsrisiko zu senken
ErnährungstippsGesundheitsnewsStudien 7. Oktober 2026 Dr. Polwin-Plass Lydia
Eine aktuelle Meta-Analyse von sieben großen prospektiven Kohortenstudien zeigt, dass Menschen, die sich vegetarisch ernähren, insgesamt seltener an Krebs erkranken als Nicht-Vegetarier. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei Magen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Für eine vegane Ernährung ist die Datenlage bislang noch unklar.
Vegetarische Ernährung wird seit Jahren mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Ob sie tatsächlich vor Krebs schützen kann, war bisher allerdings weniger eindeutig. Eine neue systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse hat deshalb die bisherige Evidenz zusammengeführt – mit einem bemerkenswerten Ergebnis. Vegetarische Ernährung geht mit einem insgesamt niedrigeren Krebsrisiko einher.
Für die Analyse wurden Studien berücksichtigt, die Menschen über mehrere Jahre beobachteten und dabei ihre Ernährung und später auftretende Krebserkrankungen erfassten. Insgesamt flossen 17 Veröffentlichungen aus sieben großen prospektiven Kohortenstudien mit ein. Die Studien umfassten zwischen bis zu 472.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und hatten eine Beobachtungsdauer von sechs über 20 Jahren.
13 Prozent weniger Krebs gesamt
Im Vergleich zu Nicht-Vegetariern hatten Vegetarierinnen ein um etwa 13 Prozent niedrigeres Risiko, an Krebs zu erkranken. Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei folgenden Krebsarten:
Magenkrebs um rund 45 Prozent niedriger,
Darmkrebs um rund 14 Prozent niedriger,
Darmkrebs des Kolons um rund 21 Prozent niedriger,
Bauchspeicheldrüsenkrebs um rund 23 Prozent niedriger,
Melanom um rund 21 Prozent niedriger,
Brustkrebs um rund 8 Prozent niedriger,
Blasenkrebs um rund 22 Prozent niedriger und
Non-Hodgkin-Lymphome um rund 24 Prozent niedriger.
Bei Brustkrebs zeigte sich der Zusammenhang auch nach der Menopause. Für Lungen-, Eierstock- und Prostatakrebs deuteten die Daten ebenfalls auf ein geringeres Risiko hin, die Ergebnisse waren hier jedoch statistisch nicht eindeutig.
Leider weniger Daten zu veganer Ernährung – Ergebnisse aber verblüffend
Auch vegane Ernährung wurde untersucht. Hier war die Zahl der verfügbaren Studien allerdings deutlich kleiner. Veganer hatten insgesamt ein rund 23 Prozent niedrigeres Krebsrisiko als Nicht-Vegetarier. Für Brustkrebs zeigte sich ebenfalls ein geringeres Risiko.
Bei Darm- und Prostatakrebs ließ sich dagegen kein eindeutiger Zusammenhang feststellen. Die Autoren betonen deshalb, dass insbesondere für eine langfristige vegane Ernährung noch mehr belastbare Daten benötigt werden.
Nicht nur der Verzicht auf Fleisch dürfte entscheidend sein
Die Ergebnisse bedeuten nicht automatisch, dass allein der Verzicht auf Fleisch Krebs verhindert. Eine vegetarische Ernährung unterscheidet sich häufig in mehreren Punkten von einer Mischkost. Vegetarier essen im Durchschnitt mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte und nehmen weniger oder kein rotes und verarbeitetes Fleisch zu sich.
Auch das Körpergewicht könnte eine Rolle spielen. In der Analyse erklärte der Body-Mass-Index einen moderaten Teil der beobachteten Zusammenhänge. Die Forschenden weisen darauf hin, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung unter bestimmten Bedingungen zur Gewichtsabnahme beitragen kann und ein niedrigeres Körpergewicht wiederum das Risiko für verschiedene Krebsarten positiv beeinflusst.
Die Studien zeigen also einen Zusammenhang – sie beweisen jedoch noch nicht, dass die vegetarische Ernährung allein für die geringere Krebsrate verantwortlich ist.
Die Evidenz ist nicht für alle Krebsarten gleich stark
Die Forschenden bewerteten die Stärke der Hinweise nach den Kriterien des World Cancer Research Fund. Für den Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und dem Gesamtkrebsrisiko sowie Darm-, Kolon- und Brustkrebs wurde die Evidenz als „wahrscheinlich“ eingestuft.
Für Magen-, Bauchspeicheldrüsen- und Blasenkrebs, Melanom und Non-Hodgkin-Lymphome wurde die Evidenz dagegen nur als begrenzt und hinweisend bewertet. Bei veganer Ernährung gilt das ebenfalls für das Gesamtkrebsrisiko und Brustkrebs.
Das ist ein wichtiger Unterschied, ein statistisch auffälliges Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass ein ursächlicher Zusammenhang bereits zweifelsfrei belegt ist.
Was sich aus den Studienergebnissen für die Ernährung ableiten lässt
Die Ergebnisse sprechen dennoch für eine Ernährung, bei der pflanzliche Lebensmittel einen größeren Stellenwert einnehmen. Das passt zu allen Empfehlungen zur Krebsprävention, viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sowie möglichst wenig rotes und verarbeitetes Fleisch zu essen.
Ob dafür zwingend eine vollständig vegetarische oder sogar vegane Ernährung notwendig ist, lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten. Entscheidend könnte vielmehr das gesamte Ernährungsmuster sein.
Fazit. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Ergebnisse Empfehlungen für eine stärker pflanzenbasierte Ernährung zur Krebsprävention unterstützen. Gleichzeitig brauche es weitere langfristige Studien – insbesondere zur veganen Ernährung und zu Krebsarten, für die bisher nur wenige Daten vorliegen.
Quelle: https://link.springer.com/article/10.1007/s10654-026-01380-8
Headerbild: Bild von congerdesign auf Pixabay










